Mittwoch, 27. Mai 2015

Argentina: Paso Jama und Cafayate


Am Grenzübergang gab es keine größeren Probleme. Der Grenzhund Pocket hat seine Schnauze tief in unser Auto gesteckt und dreimal tief durchgeatmet. Dann hat er sich gelangweilt weggedreht. Das wars. Keine Fragen dazu, was wir auf unserem Dach transportieren, kein Konfiszieren irgendwelcher Lebensmittel, wir mussten nichts ausladen... völlig stressfrei und total angenehm. Dann in Argentinien angekommen, der erste Schock. Das Benzin ist teurer als in Chile. Scheiße, deswegen waren wir ja eigentlich nach Argentinien gefahren. Naja gut nun sind wir schon mal da... kann man eben nichts machen. Auch der immer weiter fallende Euro spielt bei unseren Reiseplänen nicht so ganz mit, aber wir werden es wohl noch schaffen, bevor wir dann völlig pleite nach Deutschland zurückkehren, das bis dahin dann wahrscheinlich auch pleite ist :-).
Über den Paso de Jama boten sich uns spektakuläre Aussichten. Wüstenlandschaften:



Auch aus Salz:



Nach einer eisigen Nacht irgendwo auf der Strecke, gings am nächsten Tag weiter.



Es gab noch mehr zu sehen: Gigantische Felsformationen:



Berge in allen möglichen Farben:



Und noch ein paar tolle Autos. Denn zufällig kreuzte an diesem Tag die Ralley „La Gran Carrera“, mit 70 Autos, alles Klassiker, unseren Weg.



Steffens zwei Traumautos auf einem Foto :-). Ein Landcruiser und eine Shelby Cobra.



Der englische MG vor uns hat schon ne ganze Weile nach überhitzten Bremsen gestunken. Steffen hat schon ein besorgtes „Oh Oh“ von sich gegeben, doch die Argentinier vorne drin sind einfach immer weiter gefahren. Immer schön bergab. Als sie dann anfingen beim bremsen zu schlingern, war klar die Bremse ist fest. Doch auch dies konnte die Argentinier nicht zum Anhalten bewegen. Bis dann plötzlich Flammen aus dem Radkasten schlugen. Steffen und ich haben gehupt und geschrien. Nach einer Weile haben die Argentinier angehalten und sind völlig entspannt aus ihrem Auto gestiegen und haben gefragt, was denn los sei. Steffen kam gleich auf Socken mit dem Feuerlöscher angerannt und hat geschrien „Feuer, Feuer!“. Jedoch wusste in der Hektik keiner, wie man jetzt diesen Feuerlöscher bedient und so wurde das Feuer mit ein bisschen Wasser aus der Trinkflasche gelöscht. Die zwei Argentinier waren völlig cool. Die haben glaub ich bis zum Schluss nicht begriffen, dass ihnen gerade fast das Auto unterm Arsch abgebrannt wäre. Nach Analyse des Mechanikers Steffen war klar: Die Bremsen sind fest und deswegen so heiß geworden, dass der Schlauch der Bremsflüssigkeit geschmolzen ist und die Bremsflüssigkeit Feuer gefangen hat. Die zwei Argentinier hatten daraufhin die Idee, den Schlauch doch einfach abzuklemmen und weiter zu fahren. Ohne Bremsen noch die nächsten paar Hundert Kilometer Serpentinen Strasse bergab. Steffen hat entsetzt empfohlen, das lieber nicht zu machen und auf den Mechaniker der Ralley zu warten. Als Dankeschön, für unsere Hilfe haben wir dann noch zwei Westen geschenkt bekommen. Die werden wir wohl in Patagonien gut gebrauchen können.



Nach dem Jama Pass, in wieder etwas angenehmeren Klimazonen, ging es dann durch eine sehr grüne Gegend in Richtung Salta. Hier war richtiger Regenwald, wie in Costa Rica, nur ohne Bananen.
Auch die Straße hier war putzig und wir haben uns teilweise gefragt, ob wir eigentlich auf einem Fahrradweg unterwegs sind ;-).



Danach ging es wieder bergauf in Richtung Cafayate. Die Argentinier haben übrigens einen sehr witzigen Dialekt, mit sehr viel „Sch“. So wird auch Cafayate „Cafaschate“ gesprochen. Wir fuhren durch endlose Felslandschaften und haben dort noch eine Nacht an der Teufelsschlucht verbracht.





Hier unser Stellplatz vor dem Eingang der Teufelsschlucht:



Am nächsten morgen sind wir dann in der Schlucht noch ein bisschen rumgekraxelt.









Dann kamen wir in Cafayate an, berühmt für den guten Wein. Wir haben das Wein-Museum besucht und herausgefunden, dass der Wein hier so besonders gut ist, wegen dem riesigen Temperaturunterschied von Tag und Nacht. Im Sommer hat man hier Temperaturunterschiede von über 30°C und das jede Nacht. Wir konnten es uns jedoch leider nicht leisten hier einen Wein zu kaufen, denn die Preise liegen bei 10€ aufwärts pro Flasche. Wir bekamen trotzdem noch die Gelegenheit einen zu probieren. Doch davon berichten wir beim nächsten Mal.
Hier die Weinfelder von Cafayate:




Freitag, 22. Mai 2015

San Pedro de Atacama:


Für uns weiter gings dann durch die Atacama Wüste in Richtung Argentinien. In der Hoffnung, dass Argentinien etwas billiger ist, wie Chile, um dort eine gute Strecke Richtung Süden zurücklegen zu können. Um den dichtesten Grenzübergang zu überqueren mussten wir wieder ein Stück zurück Richtung Norden und so konnten wir auf dem Weg noch nachholen, was wir auf dem Weg nach unten leider nicht geschafft haben. Ein Besuch in San Pedro de Atacama, ein kleines Dorf in einer Oase mitten in der trockensten Wüste der Welt, der Atacama.



San Pedro liegt wirklich an einem unwirtlichen Ort, etwas Grün umgeben von Salz, Stein und Vulkanen.



Die Oase liegt zu Füßen des Vulkans Licancabur.



Wenn es in den Bergen regnet windet sich ein kleiner Fluß durch das Tal und die Oase. Zurzeit regnet es nicht...



In der Nähe des Dorfes liegt das „Valle de la Luna“, das Mondtal. Ein Tal das sich durch seine bizarren Stein und Salzformationen auszeichnet. Auch das konnten wir uns nicht entgehen lassen.





Für einen Moment dachten wir, wir haben es bereits geschafft und wären schon in Patagonien. Doch nix da, alles Salz, nur auf den Gipfeln der Berge in weiter Ferne ist etwas Schnee auszumachen.



Hier ganz in der Nähe gibt es auch eine deutsche Sternenewarte und auch wir waren super beeindruckt vom Sternenhimmel. Die Nacht hier abseits der Stasse zu Füßen des Licancabur war unvergesslich, denn auch Venus und Jupiter waren nicht zu übersehen am Sternenzelt.



Achso, übrigens haben wir bei der Gelegenheit noch einen Abstecher auf den Mond gemacht... dabei haben wir uns auch den historisch bedeutsamen Landeplatz der Amis angeschaut... und was haben wir gesehen? Natürlich nichts!



Allgemein können wir nach unserem ersten Aufenthalt in Chile sagen, hier lässt es sich wirklich leben. Chile ist ordentlich und organisiert, wie Deutschland. Manchmal sind die Chilenen aber auch etwas zu quadratisch im Kopf, wie wir Deutschen eben auch ;-). Außerdem gibt es hier alles, wie bei uns. Gutes Fleisch, Käse, Salami, gute Brötchen, die besten Meeresfrüchte... Manches hier ist sogar besser, wie bei uns, zum Beispiel die Strassen, der Service, die Taxis... Wir sind ja auch mit der Finanzkrise sozusagen pleite gegangen und bis jetzt noch nicht wieder raus. Chile hatte Reserven angespart und hat so die Finanzkrise fast unbeschadet überstanden. Deswegen hat man manchmal das Gefühl hier, wenn man durch eine Stadt fährt und alles blitzeblank ist und alles 1A funktioniert, so könnte Deutschland heute auch sein, hätten wir nicht den Euro und würden immer noch irgendwelche maroden Banken retten.
Und dazu muss man noch sagen, die Chilenen sind super freundlich und hilfsbereit und einfach so herrlich normal! Bis jetzt steht Chile auf jeden Fall ganz weit oben auf unsrer Länder Favoriten Liste!

Von Atacama aus gings dann über sagenhafte Höhen auf dem Jama Pass nach Argentinien. Davon mehr dann bald...

Mittwoch, 20. Mai 2015

Chile: Antofagsta


In der ersten Stadt nach der Grenze, der Minenstadt Calama, gab es den ersten chilenischen Completo für uns. Das ist das chilenische Hotdog, dass hier mit verschiedenen Sachen, wie Avocado, Tomaten, Zwiebeln, Käse... serviert wird und riesig ist. Richtig lecker!



Am nächsten Morgen dann erstmal richtiges Frühstück, wie wir es seit über einem Jahr nicht mehr hatten. Richtige Wecken, mit Butter, Salmai und Käse. Himmlisch!



Dann sofort Autowaschen an der Tankstelle... damit das ganze Salz endlich mal runterkommt. Dabei hat Steffen bemerkt, dass an den Federn eine Mutter fehlt. Also haben wir uns auf die Suche nach dieser Mutter gemacht. Das Problem war nur, es war Samstag und schon Nachmittag. Deswegen hatte nicht mehr allzu viel offen. Wir haben jedoch gleich die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Chilenen zu spüren bekommen (auch wenn man sie echt kaum versteht ;-)) und so wurde uns geholfen und nach längerem Suchen eine passende Mutter gefunden.
Das hat fast den ganzen Tag gedauert, doch wir sind dann trotzdem Nachmittags noch los, in Richtung Antofagasta, um die Jungs, die wir in Chicama, Peru kennengelernt hatten, zu besuchen. Wir haben es nicht ganz bis Antofagasta geschafft, und so haben wir noch eine Nacht in der Wüste verbracht. Im Norden Chiles ist wirklich alles trockene Wüste. Zwischendrin Salz und Berge mit jeder Menge Kupfer. Deswegen fährt auch immer wieder ein Zug vorbei. Jedesmal vollgeladen mit Kupfer.



Am nächsten Tag sind wir dann endlich in Antofagasta angekommen und wurden von Niko im Bett seiner Großeltern einquartiert ;-). In Antofagasta hat es uns so gut gefallen, vor allem wegen der vielen netten Leute natürlich, dass wir dort eine volle Woche geblieben sind und uns einfach mal von unserer anstrengenden Reise erholt haben.
Hier die Jungs, die uns eine Woche lang verwöhnt haben:



Wir waren Fussballspielen am Strand



Und die Jungs haben hinterher sogar im Meer gebadet. Ungalublich, denn das Wasser ist hier wirklich eisig. Mehr wie die große Zehe hab ich nicht reinbekommen.



Anschließend gabs am Strand dann Empanadas mit Meeresfrüchten. Die wirklich besten Empanadas dieser Reise. Für mich Camarones con Queso und für Steffen Loco con Queso. Ja Steffen isst inzwischen sogar Meeresfrüchte! Am Strand saßen die Seelöwen und haben sich gesonnt. Der Seelöwe heißt hier übrigens Lobo del Mar, was übersetzt Seewolf bedeutet.



Auf dem Fischmarkt, den wir auch einmal besucht haben und wo sämtliche Meeresfrüchte roh oder in Zitrone gegart serviert werden und wo wir uns einmal quer durchprobiert haben, war Steffen jedoch einiges zu krass. Ich fand alles super lecker und hab mir gleich ne gemischte Schale einverleibt. Darunter Scampi, alle möglichen Muscheln, Loco, Piure, roter Seeigel und Picoroco... Hier in Chile gibt es nämlich unglaublich viele und unheimlich leckere Meeresfrüchte. Einige davon, hatte ich selbst noch niemals zuvor gegessen.



Außerdem war Steffen in dieser Woche endlich mal Basketballspielen. Er hat unter den Chilenen doch tatsächlich jemanden gefunden mit der selben Schuhgröße, wo er sich mal Turnschuhe borgen konnte... das war nämlich auf der ganzen Reise immer die Schwierigkeit. Wir hätten Steffen ja gerne Turnschuhe zum Sportmachen gekauft, jedoch waren die Größten immer nur Nr. 41 oder noch kleiner.



Auch surfen war Steffen mal und war auch von den chilenischen Wellen total begeistert. Aber zum nächsten Surfurlaub hier, nur mit Schuhen und Kapuze ;-).

In dem alten VW Käfer von Niko sind wir zur Portada gefahren. Das ist dieser Fels, der aussieht wie ein Tor. Hier gibt es jede Menge verschiedener Vögel und auch Pinguine, doch die haben sich leider nicht blicken lassen...







Zum Abschluss gabs dann an unserem letzten Abend noch ein Asado am Strand. Das ist ein chilenisches Grillfest. Dabei wird ein großer Broken Fleisch ganz auf den Grill gehauen, mit ordentlich grobem Meersalz und dann hinterher in Stücken geschnitten. Das war ziemlich lecker und so bleibt das Steak innen schön saftig. Außerdem gabs Choripan, die chilenische Version vom Würstle im Brötchen.



Steffen hat das Essen in Chile so gut geschmeckt, dass er gleich in der ersten Woche hier doch glatt 4 Kilo zugenommen hat ;-).
Nach der einen Woche haben wir uns schweren Herzens wieder verabschiedet, denn wir haben ja noch ein gutes Stück unserer Reise vor uns...
Wir hoffen jedoch die Jungs mal in Deutschland willkommen heißen zu dürfen!

Die Salzwüste von Uyuni


Auf  dem Weg übers Altiplano haben wir mal wieder jede Menge Vincuñas, Alpacas, kärgliche Quinoa Felder, Felsen in allen nur erdenklichen Farben und allerhand Windhosen gesehen.




Auf dem Weg ist uns ein LKW mit Schotter entgegenkommenden. Genau in dem Moment als wir aneinander vorbeifuhren sind uns mehrere Steine von der Ladefläche frontal entgegengeflogen. Zum Glück ist nichts passiert mit Windschutzscheibe, Lichtern und Co. Nur unser Kühler hat etwas abbekommen. Den mussten wir dann erstmal in Uyuni flicken. Kein großes Ding... nur ausbauen mussten wir ihn. Dazu erstmal alle Kabel, Schläuche, Verbindungen usw. gelöste, um dann festzustellen, dass man hätte nur 4 Schrauben lösen müssen, um dann den ganzen Kühler aus seiner Halterung herausnehmen zu können. Naja, wieder was dazu gelernt ;-) und einen ganzen Tag verschwendet.
Hier der Schaden des Steinschlags:



Steffen bei der Arbeit:



Und hier noch ein Bild der Nachbarin, die fleißig gestrickt hat...




Am nächsten Tag gings dann endlich auf in die Salzwüste. Diese ist aus dem Paläosee Tauca entstanden, der vor Jahrmillionen Jahren ausgetrocknet ist. Es gibt Theorien, dass hier auch Atlantis gewesen sein soll. Die Salzfläche ist riesig, über 10.000 Quadratkilometer und zum Teil bis zu 10 Meter dick. Es ist der größte und höchstgelegene Salar der Erde. Unter dem Salz verbirgt sich der wirkliche Schatz Boliviens: Litium. Das bis jetzt dort aber noch nicht abgebaut wird. Ausländische Firmen (hauptsächlich Deutsche) forschen daran, wie man das Litium da raus kriegen kann. Es bleibt zu Hoffen, dass wenn es so weit ist, Bolivien wenigstens einen Großteil des Reichtums selbst zu Gute kommt und nicht wieder ausländische Firmen sich alles unter den Nagel reisen und dazu noch die billigen Arbeitskräfte Boliviens ausnutzen.
Wir haben in der Salzwüste natürlich auch ein paar witzige Fotos gemacht, so wie wohl alle Touris, die dort hinfahren:







Mitten in dem ganzen Salz gibt es eine Korralleninsel, auf der Kandelaberkakteen wachsen. Dort haben wir eine kleine Rast eingelegt.



Auf dem Parkplatz vor der Insel war Familientreffen der Landcruiser Familie. Unsere Caracolina war natürlich die Älteste und auch die Schickste und hat bei allen Aufmerksamkeit erregt.



Nach der Fahrt durch die Salzwüste war das ganze Auto voll mit Salz. So sah unser Auspuff aus:



Ist natürlich ganz toll, wegen dem ganzen Rost und so... und Steffen konnte es kaum erwarten endlich an einer Tankstelle vorbei zu kommen, um das Auto zu waschen. Doch diese hat erstmal noch auf sich warten lassen. Weiter ging es über das Altiplano, alles auf Schotterpiste, immer an der Salzwüste entlang.
Hier ein Quinoa Feld am Rande der Salzwüste:



Der Grenzübergang in Mitten dieser Schotterpiste völlig Abseits von jeglicher Zivilisation kam dann nach einigen Stunden. Die Chilenen haben unser Auto auseinander genommen und unseren Tabak, unsere Kartoffeln und unsere Kakaobohnen konfisziert. Den Bambus haben sie uns netterweise gelassen, weil wir erklärt haben, dass wir den brauchen, um unsere Plane bei Regen aufspannen zu können. Und meine Samen, die ich nach Deutschland mitnehmen will und meine Hölzer, die hatte ich zum Glück so gut versteckt, dass sie die nicht gefunden haben. So kamen wir nach Stunden, völlig ausgehungert, ohne Luft in den Reifen (wegen der Hubbelpiste zuvor, mussten wir Luft ablassen, um die ganze Fahrt etwas erträglicher zu machen), ohne chilenisches Bargeld und immer noch mit komplett salzigem Auto, nach Chile. Dort mussten wir dann noch mal 3 Stunden fahren, bis wir endlich in die nächste Stadt kamen, wo es einen Geldautomaten und etwas zu Essen gab.

Fortsetzung folgt...

Mittwoch, 13. Mai 2015

Bolivia


Der Grenzübergang nach Bolivien war ziemlich heiß :-). Zwei Dörfer, das peruanische und das bolivianische, die direkt nebeneinander liegen, nur durch eine sehr kurze Brücke voneinander getrennt. Es herrscht herrlich viel Betrieb. Straßenhändler, Leute die auf der Straße Geld wechseln und viele Rikschas, die mit ihren Anhängern Waren über die Grenze transportieren. Wenn man nicht aufpasst, fährt man einfach rüber, ohne dass mans merkt. In dem ganzen Gewimmel muss man dann auf beiden Seiten die Gebäude suchen, wo man sich den Stempel für den Pass und das nötige Einreiseformular fürs Auto holen kann. In dem Tobuwawowu wurde uns dann auch noch irgendwie unsere Plane vom Autodach runtergeklaut, ohne dass wirs mitbekommen haben. Naja war ja nur ne Plane und wir haben noch eine, die muss dann erstmal reichen...
Auf den ersten Eindruck erschien Bolivien durchaus etwas entwickelter als Peru. Die Häuser waren zum großen Teil fertig gebaut und mit Dach, wenn auch ärmlich, was in Peru wirklich eine Seltenheit ist und es gab recht viele Landwirtschaftsmaschinen, was wir in Peru auch nur in der Nähe von Lima gesehen haben. Aber bei genauerem Hinsehen, mussten wir bei der Fahrt über das Altiplano in Bolivien feststellen, dass die Menschen hier wirklich unheimlich arm leben. Weil es wirklich nichts gibt. Der Boden ist steinig und schwer zu bewirtschaften, Die Quinoa Felder sehen sehr dürr aus. Und ansonsten gibt es wirklich nichts, gar nichts. Kein Wasser, keine Flüsse, kein Strom. Einfach nur karges Hochland und kalt.



Zudem hat Bolivien im Krieg gegen Chile seinen Zugang zum Meer verloren und damit seinen Hafen zum internationalen Handel. Nun müssen die Mineralien, die nach jahrelanger US-amerikanischer Ausbeutung auch nicht mehr allzu reichlich vorhanden sind, über die Grenze nach Chile transportiert werden, um sie von dort verschiffen zu können. Das kostet natürlich zusätzlich. Die Mineralien werden unter grausamen Bedingungen zum Teil von Kindern aus den Bergen gehauen. Ohne Sicherheitsvorkehrungen, in 12 Stunden Schichten und mit einem jämmerlichen Lohn vergütet. Spätestens mit 30 Jahren sind die meisten Mienenarbeiter so krank, dass sie nicht mehr arbeiten können. So müssen die Kinder sehr früh, dem gleichen Schicksal ihrer Väter nachgehen, um die Familien zu ernähren.
Der Präsident von Bolivien, der erste indigene Präsident Südamerikas, versucht seit einigen Jahren die Lage in Bolivien zu verbessern. Sein Ziel ist, die Ausbeutung der USA im Land zu stoppen und die Coca Pflanze zu legalisieren, als einen Möglichen Wirtschaftszweig Boliviens. So hieß es in den Medien, dass er US-amerikanische Firmen, wie MC Donalds und Coca Cola im Land verboten hat. Die Realität sieht jedoch leider anders aus. Überall sind alle Softdrinks, die es landesweit gibt, von Coca Cola und die werden von den Bolivianern auch reichlich konsumiert. Auch Trinkwasser gibt es nur von einem Hersteller und zwar, wer hätts geglaubt, von Coca Cola. Traurig aber war. Außerdem ist das Wasser so ungemein überteuert, das man sich fragt, wie die Bolivianer sich das leisten können. Leitungswasser gibt es hier in großen Teilen des Landes auch nicht, da die meisten Häuser überhaupt keinen Wasseranschluss haben und das riesige Altiplano einfach unheimlich trocken ist. Das einzige was Bolivien bleibt, scheint der Tourismus und die Coca Pflanze zu sein. Und um den Tourismus anzukurbeln, lässt der Präsident immerhin gerade quer durchs ganze Land Autobahnen bauen, die den deutschen sehr ähneln. Immer schön mit Fußgängerbrücken und auch die Beschilderung scheint von Deutschland abgekupfert zu sein :-). Es bleibt zu Hoffen, dass die Verbesserte Infrastruktur wenigstens etwas Schwung ins Land bringt.

Auch mussten wir in Bolivien schnell feststellen, dass wir uns das Handeln in Peru ganz schön angeeignet haben. Wir haben in den ersten zwei Tagen ein paar schräge Blicke dafür geerntet. Wir mussten uns  dann erstmal wieder umstellen und nicht ganz so knallhart verhandeln, wie wir das von Peru gewohnt waren...

Aber nun der Reihe nach:
Direkt nach der Grenze noch ganz in der Nähe vom Titikaka See, haben wir uns noch eine letzte archäologische Stätte angesehen. Oder vielmehr zwei. Tiwanaku und Puma Punku. Diese waren aber wirklich das Beeindruckendste, was wir bisher auf unserer ganze Reise gesehen haben. Aber dazu soll Steffen  nun ein bisschen was erklären.

Dann übernehme ich mal kurz und übergebe widerwillige das Lenkrad an Lena. Dabei versuche ich mich, trotz ihres zwar sicheren aber dennoch sehr sportlichen Fahrstils aufs Schreiben zu konzentrieren...
Tiwanaku und Puma Punku zwei Ruinen die einem nicht nur die Sprache verschlagen sondern ein gutes Beispiel dafür sind warum man nichts auf die Aussagen von sogenannten Experten geben sollte. Was hier mit den Ruinen gemacht wurde und wird und was den Touris hier als „Wahrheit“ verkauft wird ist eigentlich ein Skandal. Schon mit dem Erscheinen der Spanier begann die Zerstörung und so wurden auch hier die Steine die transportiert werden konnten für den Kirchen, Strassen und Eisenbahnbau benutzt. Das gleiche Spiel wie in Peru also.
Gerade in Tiwanaku wurden und werden nicht nur Kulturgüter zerstört, sondern es wird mit der „Rekonstruktion“ ebenso unmöglich, zukünftig den Ort mit neuen Erkenntnissen anders zu bewerten. Es werden Mauern rekonstruiert die offensichtlich überhaupt nicht an dieser Stelle standen und ein Bereich der eher einem Sonnenkalender ähnelte, ist nun eingemauert und nicht mehr wiederzuerkennen. Dabei zeigen die Skizzen der ersten Besucher aus dem 19. Jahrhundert eindeutig dass es eher wie Stonehenge in England ausgesehen haben muss. Von einer Mauer war nirgendwo eine Spur. Heute sieht alles ganz anders aus. 
Selbst Puma Punku die noch beeindruckendere Stätte, die sich 500m entfernt von Tiwanaku befindet und komplet aus perfekt geschnitten und riesigen Steinen bestand, wurde von den Experten verschandelt. So wurden Teile einfach nur weil man meinte sie würden in Tiwanaku attraktiver für die Touristen sein fünfhundert Meter weiter in Tiwanaku aufgestellt. Unabhängige Untersuchungen in der Zukunft werden damit so gut wie unmöglich gemacht.
Aber zurück zu dem was noch übrig ist. Die Perfektion mit der die Steine in Tiwanaku und besonders in der 500 Meter entfernten „Tempelanlage“ (was auch sonst?) Puma Punku bearbeitet wurden, ist auf dem gesamten Kontinent einzigartig. Dabei muss man im Hinterkopf behalten dass das laut offizieller Theorie alles mit Steinhammer und Bronzemeissel geschaffen wurde. Für uns nur schwer zu glauben und eigentlich eine irrwitzige Vorstellung, aber halt offizielle Geschichtsschreibung. 
In dieser Beziehung hat Lena mich noch auf ein anderes Mysterium aufmerksam gemacht. Es ist ja nicht genug, dass die Baumeister damals 120 Tonnen schwere Steinplatten aus über 90 km Entfernung irgendwie hierhergeschafft haben. Nun ist es auch noch so, dass die Steinmetze von Tiwanaku besonders für ihre pfiffig Methode berühmt waren, die riesigen Steinplatten erdbebensicher zu verbinden. Sie gossen flüssiges Kupfer oder Bronze in gegenüberliegende T-förmige Aussparrungen. Das diese gegossen wurden und nicht vorgefertigt waren lässt sich eindeutig aus den gefunden Resten erkennen. Die Erbauer müssen folglich bei Errichtung in der Lage gewesen sein Kupfer zu schmelzen. „Ja und?“ Mag nun der ein oder andere denken. „Was ist schon so besonderes dabei? Man weiß ja dass sie Metall bearbeiten konnten und auch schon Legierungen hatten.“ Richtig, nur ist das schmelzen von Kupfer auf über 4000m unter Umständen ein ganz anderes Thema. Das wird jedem einleuchten der hier oben versucht sich seinen morgentlichen Kaffe zu kochen oder wenn man feststellt, dass das Frühstücksei nach 10 Minuten kochen immer noch weich ist. (kein Witz)
Hier ist also noch wesentlich mehr unklar und mysteriös als die meisten Touristen überhaupt erahnen.

Hier sieht man die Überreste der T-Füllungen die die Steine zusammenhielten und darunter Steinplatten in Puma Punku mit den besagten Formen.






Und hier ein Portal das aus einem Stein „gehauen“ ist. Einfach atemberaubende Arbeiten.




Perfekte Oberflächen, Ecken, Kannten und, besonders beeindruckend, Löcher. Das alles ohne Bohrer sondern nur mit Hammer und Meissel?








Auch hier sieht man Löcher, nur diesmal viel kleiner. Perfekt im immer gleichen Abstand angeordnet. Und mit perfekt meine ich auch perfekt, schnurgerade und wie mit einem Diamantbohrer.




Hier sieht man Lena vor dem besagten kleinen Stonehenge, welches heute allerdings einfach eine Mauer ist.




Das ist die Rückseite des berühmten Sonnentor man sieht auch hier wie exakt es bearbeitet wurde. Schade nur des es eigentlich nach Puma Punku gehört wo noch drei genau gleiche Tore liegen. Aber irgendwer fand es halt besser aufgehoben in Tiwanaku.




Auch diese Mauer ist eine Rekonstruktion. Nur die Megalithischen Steine ca. alle 10m sind Originale. Selbst das Portal ist nicht original sondern wurde nur auf Vermutungen hin so wieder aufgebaut. Alles im Prinzip also Lug und Trug wer sich für die Orte interessiert und ein bisschen belesen ist, dem stehen hier die Haare zu Berge...




Die ganze Anlage Puma Punku war aus riesigen Steinblöcken zusammengesetzt, die perfekt ineinander gefügt waren. Wie ein riesiges 3D-Puzzel. Oben sieht man noch mal die T-Verbindungen und unten die Aussparungen für die Torpfosten. Örtliche Legenden sagen, dass die Stadt in einer Nacht erbaut wurde. Zement jedenfalls musste keiner trocknen und wer einen 120 Tonnenstein ohne Räder transportiert, dem traue ich auch zu, alles ruckizucki über Nacht zusammenzusetzen.





Dieser Geselle muss offensichtlich eine ganze Weile auf der Seite und zur Hälft unter der Erde gelegen haben. Nach offizieller Theorie handelt es sich um Viracocha den Erschaffer der Welt. Warum er zwei linke Hände hat, das konnte mir aber niemand erklären und man findet dazu auch nichts in der vor Ort vorhandenen Literatur. Vielleicht ist es ja auch noch gar niemandem aufgefallen. Auf alle Fälle ist mir jetzt auch klar warum unsere Welt in dem Zustand ist, in dem sie eben ist. Ist ja alles kein Wunder wenn der Erschaffer zwei Linke Hände hatte. ;-)




So, das waren nur einige der Wunder die es hier zu bestaunen gab. Es gibt noch einige mehr an Unerklärlichem, doch an dieser Stelle lass ich es erstmal bewenden. Bei wem das Interesse geweckt ist, der kann sich gerne an mich wenden. Es gibt einige sehr gut Bücher zu dem Thema, doch auch das Internet, Youtube und gesunder Menschverstand lassen die Ungereimtheiten der offiziellen Geschichtsschreibung nur zu deutlich werden. Wer suchet, der findet...


Weiter gings dann erstmal über Ostern nach La Paz. Das ist nicht die Hauptstadt Boliviens, aber Regierungssitz. Die Hauptstadt heißt Sucre, da waren wir jedoch nicht. Am Ostersonntag in La Paz gab es einen kleinen Markt mit allerhand Schokoosterhasen und Schokoeiern. Außerdem Ostergebäck (natürlich anderes wie bei uns, wir haben uns einmal quer durchprobiert ;-)).



Außerdem waren wir auf dem Hexenmarkt und haben dort ein paar Mittelchen und Kräuterchen eingekauft... Hier gab es allerhand sehr interessantes. Mittelchen, die man sich auf die Hände reibt, um dann der Geliebten die Hand zu schütteln, damit sie sich für immer unsterblich in einen verliebt. Allerhand Aphrodisiaka und auch sonst einen Zaubertrank, für alle Leiden, die man sich nur vorstellen kann. Von Fußpilz bis zu Blasenschwäche... Hier gab es auch jede Menge Llamaföten zu kaufen. Diese werden, wenn man ein Haus baut, drunter verbuddelt, das bringt Glück. Der Anblick war aber ziemlich makaber, wie die Dinger da so in den Läden baumeln.



Außerdem waren wir in La Paz noch im Coca Museum. Das war höchst interessant. Wir haben viel gelernt. Zum Beispiel, dass das Kokain, welches durch chemische Prozesse und allerhand Chemikalien im Labor aus der Coca Pflanze hergestellt wird, in Darmstadt, Deutschland erfunden wurde. Auch so ziemlich alle wissenschaftlichen Studien, die es über die Coca Pflanze gibt, wurden von Deutschen durchgeführt. Dabei ist zu beachten: Die Coca Pflanze ist etwas grundsätzlich anderes, wie das Kokain. Die Wirkungen und auch der Nutzen, sind völlig verschieden. So reguliert das Coca Blatt kauen, wie es alle Menschen hier auf dem Altiplano tun, z.B. den Insulinhaushalt. Das führt dazu, dass man keine Probleme mit Höhenkrankheit bekommt und außerdem gibt es auf dem Altiplano auch kein Diabetes. Auch verhindert das Coca kauen, Trombose. Obwohl bei den Menschen, die auf dem Altiplano leben, das Blut ja viel dicker ist, leiden sie trotzdem nicht an Trombose. Auch für die Zähne ist das Coca Blatt, das man sich einfach in den Mundwinkel steckt gesund und verhindert Karies. Das Coca scheint also eine wunderbare vielseitig einsetzbare Pflanze zu sein. Warum dann der immense Kampf der USA und auch Deutschland gegen das Coca?
Tja wer hätts erraten, es war natürlich mal wieder die Pharmaindustrie, warum der ganze Quatsch anfing. Das Coca ist nämlich bis heute auch das beste Schmerzmittel und Betäubungsmittel, das wir kennen. So wurde in Deutschland irgendwann das künstliche Coca entwickelt. Das bekannteste ist wohl Lidokain. Damit nun die Cocapflanze der Pharmaindustrie mit ihrem künstlichen Koka keine Konkurrenz machen kann, wird die Pflanze seit Erfindung des Medikaments, bekämpft und verteufelt. Alles unter dem Vorwand, das aus ihr ja auch Kokain hergestellt werden kann. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass die Andenvölker das Coca schon immer benutz haben und es einfach zu ihrer Kultur gehört und auch wirklich ein wichtiges Mittel ist, um mit der Höhe und der Kälte klar zu kommen. 
Außerdem wird die Pflanze selbst bekämpft, dabei kommen die Chemikalien zur Herstellung des Kokains natürlich aus Deutschland und den USA. Diese sind natürlich völlig legal. Auch muss beachtet werden, dass die Indigenen Völker der Anden gar kein Kokain herstellen können. Dazu braucht es Leute aus dem Ausland, mit einem Chemiestudium oder einer Ausbildung und ein Hightech Labor mit allerhand Gerätschaften, natürlich auch aus dem Ausland. Mehr als 50% der Kokain Konsumenten sitzen alleine in den USA. Der Rest konzentriert sich auf Europa. Natürlich wird in Südamerika inzwischen auch Kokain konsumiert. Hauptsächlich, weil es so unheimlich billig ist und auch weil die Kokainproduzenten ihre Arbeiter mit Kokain bezahlen, anstatt mit Geld oder Nahrung. Das Problem ist also, dass hier mal wieder eine Pflanze verteufelt wir, die von absolutem medizinischem Nutzen ist, das Kokain selbst jedoch ist ein lukratives Geschäft für ausländische Produzenten und wird nur scheinbar bekämpft, in Wirklichkeit aber toleriert. Denn seit Jahren fliegen Flugzeuge der USA über Bolivien, Peru und Columbien und zerstören mit Gift die Kokafelder. Die Chemielabore werden jedoch nicht zerstört...

Von La Paz gings dann weiter über das karge Altiplano zur Salzwüste von Uyuni. Doch davon berichten wir dann im Nächsten Eintrag.

Sonntag, 3. Mai 2015

Wir sind berühmt... zumindest in Argentinien ;-)

Liebe Leser!

Wir sind mittlerweile schon in Argentinien. Die Einträge für Bolivien und den Norden von Chile fehlen noch, die posten wir aber sobald wir sie geschrieben haben ;-).

Hier in Argentinien wurden wir in einem kleinen Dorf spontan interviewt und so waren wir im Fernsehen. Die Argentinier finden unsere Caracolina nämlich total cool. Als wir durch Cordoba gefahren sind, haben alle ihre Handys gezückt und Fotos gemacht...

Hier das Interview... die meisten von euch werden wahrscheinlich nicht allzuviel verstehen, aber ist ja vielleicht trotzdem ganz nett uns mal zu sehen :-).


https://www.youtube.com/watch?v=FFrt2pCF9XE&feature=youtu.be