Mittwoch, 3. Juni 2015

Deutsche Kultur in Chile


Da die Spanier auf Grund der starken Mapuche es nicht schafften dauerhafte Siedlungen im Süden Chiles zu errichten, fand eine wirkliche Kolonialisierung erst um 1850 mit den ersten deutschen Einwanderern statt. Diese hatten es zwar auch schwer mit den Mapuche (Plünderungen, Überfälle...), konnten jedoch dort auf Dauer bestehen. Die Gegend von Valdivia bis Puerto Montt ist auch heute noch bestimmt von ehemals deutschen Siedlungen und ist bis heute noch sehr deutsch. Die Gegend ist sehr schön, voller Flüsse und Seen und sehr grün.



Unser erster Stopp war Valdivia. Hier gibt es die Brauerei Kunstmann, die eins der besten Biere Südamerikas braut. Auch wenn es trotzdem nicht so gut schmeckt, wie ein gescheites Augustiner. ;-)



Dort haben wir den Vatertag mit einem deftigen Mal (Bratwurst und Mettbrötchen) und natürlich reichlich Bier, ausklingen lassen.



Wir durften direkt vor der Brauerei übernachten.



Am nächsten Morgen sind wir bei strömendem Regen aufgewacht, der auch den ganzen Tag angehalten hat. Wir haben den Tag jedoch einigermaßen trocken überstanden und waren zunächst im Regionalmuseum, wo wir viel über die deutschen Siedler gelernt haben. Die ersten Deutschen kamen enttäuscht von der gescheiterten Revolution, nach Chile, um sich hier ein neues Leben aufzubauen. Sie haben Brauereien, Schulen, Apotheken usw, gegründet und Häuser ganz im deutschen Stil erbaut.
Die Uferpromenade von Valdivia, könnte auch irgendwo in Deutschland sein...



Anschließend waren wir im Cafe Hausmann guten Kuchen essen und uns mit Tee und Cafe aufwärmen. Dieser heißt hier, wie bei uns wirklich Kuchen und das spanische Wort Pastel, versteht hier keiner.



Dies ist eine Kette mit gebrauchten Secondhand Klamotten. T.H.C. (Trading History Cloth) :-)



Noch ein Spaziergang über den Fischmarkt Valdivias, wo sich Seelöwen tümmeln und von den Fischresten immer fetter werden. Und das alles leider bei strömendem Regen... Hier in Valdivia regnet es so oft, dass wir sogar Postkarten gesehen hatten, wo der Regen nachträglich mit Computer aufs Bild gemalt wurde :-). Hier noch mal die leckeren Meeresfrüchte Chiles: Piure und Ultes:





Anschließend ging es weiter ins nächste deutsche Dörfchen, Frutilla. Auch hier typisch deutsche Häuser, die die Wege säumen. Das Dörfchen liegt am See und ist richtig schnuckelig, wenn es nur mal aufhören würde zu regnen! Inzwischen waren wir schon ziemlich entnervt, denn im Auto wurde es gar nicht mehr trocken und es hörte einfach nicht auf...



Im Regionalmuseum, wo es auch über das Leben der ersten deutschen Siedler hier geht, ist eine alte Mühle nachgebaut, das Haus eines Schmiedes und ein Herrenhaus. Alles eingerichtet mit deutschen Möbeln, Spitzenvorhängen... wie das eben früher auch bei uns aussah.








Die ersten Siedler hier scheinen nicht schlecht gelebt zu haben. Auch wenn sie wohl hart dafür gearbeitet haben. Jedoch muss man sagen, dass heutzutage die Familie eines Schmiedes sich wohl kein so großes Haus mehr leisten kann, auch nicht in Deutschland. Ganz zu schweigen davon, wie die Leute in Peru oder Bolivien heute noch leben. Auch alte deutsche Maschinen waren ausgestellt. Z.B. eine Kartoffelernte Maschine. Die Menschen in Peru ernten heute noch per Hand. Die pfiffigen Deutschen hatten damals schon ziemlich nützliche Sachen und auch echt gut gebaute Häuser. Diese alten deutschen Häuser, die zum Teil aussehen, wie kleine Schlösschen stehen hier überall rum. Hier wurde ja nichts durch Kriege zerstört und somit ist hier mehr alte deutsche Kultur erhalten geblieben, als bei uns in Deutschland. Echt schön!



Auch die Kuchenläden gibt es hier wieder überall :-):



Dann gings weiter nach Puerto Varas. Auch noch eine deutsche Stadt am See. Hier haben wir auch Steffens Geburtstag verbracht. Leider bei strömendem Regen. So konnten wir gar nicht viel machen. Zu allem übel ist uns dann noch das Gas zum Kochen ausgegangen. Natürlich zu unserem Glück mal wieder am Samstag. Da haben die Gasstationen natürlich nicht offen und am Sonntag auch nicht. Also hieß es warten bis Montag. Also haben wir am Samstag Abend ein bisschen in Steffens Geburtstag reingefeiert und waren ordentlich essen. Zur Vorspeise gab es mit Parmesan überbackene Muscheln und dann für Steffen Kotelett mit Kartoffeln und für mich eine paila marina ein typisch chilenischer Eintopf aus Meeresfrüchten, Fisch, Fleisch und Würstchen. Oberlecker! Und danach war uns endlich mal wieder warm.







Am nächsten Tag (Steffens Geburtstag) haben wir dann bei immer noch strömendem Regen im Auto gefrühstückt. Ein bisschen heiße Schokolade war noch vom Vortag in der Thermoskanne, das musste erstmal reichen, denn Gas hatten wir ja immer noch keines.
Später waren wir in dem Museum des Künstlers Pablo Ferro. Er malt Bilder der alten deutschen Häuser. Auf die Frage warum gerade die Deutschen Häuser, meinte er, dass diese besonders kreativ und schön gebaut sind. Für uns wurde hier besonders deutlich wie viel von unserer Kultur, durch die Kriege und unseren Hang zur Überregulierung, verloren gegangen ist. Es ist schon traurig wenn man erst nach Südamerika reisen muss um etwas über authentisch Deutsche Kultur zu lernen.



Anschließend haben wir uns dann ein weiteres Stück deutscher Kultur in Form eines leckeren Stück Kuchens genehmigt und weil alle anderen Gäste sich einen riesigen Teller der Spezialität des Hauses bestellt haben, war der Kuchen nur die Vorspeise. Als Hauptgang hatten wir einen der riesigen Teller mit gemischtem Geschnetzeltem, Würstchen, Essiggurken, Perlzwiebelchen, Tomaten, Oliven und gekochten Eiern. Und das alles mit einem riesigen Berg Pommes garniert. Wir haben gar nicht alles geschafft, obwohl es echt lecker war!



Dann wieder ab ins Auto, zu unserem Schlafplatz direkt am See. Beim Nachtlager aufschlagen hat doch dann tatsächlich der Regen aufgehört und es war für einen kurzen Augenblick der Vulkan Calbuco zu sehen, der vor ein paar Wochen ausgebrochen ist. Eine Rauchwolke über dem Vulkan ist noch zu sehen, um das glühende Lava fliegen zu sehen waren wir wohl ein bisschen zu spät dran. Muss ein toller Anblick gewesen sein von Puerto Varas aus, denn die haben hier von der Asche Wolke überhaupt nichts abbekommen, das ist alles nach Argentinien rüber geflogen.



So haben wir Steffens Geburtstag bei strömendem Regen und viel Wind und richtigem Sauwetter in den verschiedenen Cafes und Restaurants verbracht und uns einfach mal so richtig voll gegessen :-).

Dienstag, 2. Juni 2015

Pichilemu und die Küste von Chile in Richtung Süden


Das ist die berühmte Welle von Pichilemu. Hier haben wir auch eine Nacht verbracht und dazu gibt es einen witzige Geschichte. 
Ein älterer Herr, der dort mit einem Hund (nicht seiner, sondern ein Straßenhund) spazieren war, hat uns beim kochen zugelabert. Als er so unsere Postkarten mit der Taschenlampe angeleuchtet und uns dazu befragt hat, fällt mir auf einmal auf, dass die Taschenlampe in seiner Hand, unserer verdammt ähnlich sieht. Ich hab zu Steffen, der unsere zuletzt hatte gemeint, ob das nicht unsere ist... Steffen hat kurz geschaut und sofort reagiert. Mit den Worten: „He, was ist das?“ hat er sie dem Herrn einfach aus der Hand genommen und sie sich in die Tasche gesteckt. Dieser hat kurz festgehalten, dann aber kommentarlos losgelassen. Später hat Steffen dann festgestellt, dass er nun zwei Taschenlampen in der Tasche hat und hat die eine dem Herrn zurückgegeben. Der hat gar nicht verstanden, was hier läuft und hat fragend geschaut... Da hat Steffen ihm erklärt, dass er ihn gerade für einen kurzen Augenblick für einen Dieb gehalten hat, weil wir die gleiche Taschenlampe haben. Der Mann hat herzhaft gelacht und gemeint, ob Steffen dachte, die Chilenen seien aber schnell :-)
Steffen war ganz baff, wie einfach man Leuten Sachen einfach wegnehmen kann, ohne dass die das überhaupt richtig realisieren, wenn man es nur mit einer absoluten Selbstverständlichkeit tut. Tja peruanische Schule eben... da lernt man nicht nur aufzupassen, wie ein Luchs, sondern auch zu klauen, wie eine Elster.



Am selben Parkplatz haben wir auch die zwei Jungs Gabriel und Jonas kennengelernt, die auch dort übernachtet haben. Die Jungs machen das gleiche wie wir, nur in die entgegen gesetzte Richtung. Sie sind in Brasilien gestartet und waren schon in Patagonien und sind nun auf dem Weg wieder Richtung Norden. Auch haben sie ein ähnliches Trauma erlebt wie wir. Sie haben einen jungen Hund gerettet, adoptiert und ihn kurz darauf auf schreckliche Weise bei einem Verkehrsunfall wieder verloren...



Leider war der Swell in Pichilemu zu groß und somit die Strömung zu stark, um überhaupt an die Welle heran paddeln zu können. Steffen hat es ein Mal probiert, jedoch keine Chance... Deswegen waren auch die ganzen Lokals am Surfspot ein paar Kilometer weiter südlich „Punta del Lobo“. An diesem Spot finden auch die jährlichen Nationalmeisterschaften statt. Jedoch waren dort die Wellen 5-6 Meter hoch und nur mit speziellen Gun Surfbrettern surfbar. Auch waren einige Surfer hier mit Jetskis draußen, denn auch hier gab es starke Strömungen. Also war für Steffen leider nichts dabei, aber allein zum Zuschauen war es sehr spannend.



Wir sind dann an der Küste weiter Richtung Süden gefahren. Auch eine sehr schöne, dünn besiedelte Gegend, wo noch einige weitere Surfspots zu finden sind. Wie zum Beispiel hier in Curanipe. Steffen hat es auch einmal probiert, jedoch hat er es nicht lange im Wasser ausgehalten. Das Wasser ist hier inzwischen so kalt, dass Steffens Surfanzug nicht mehr ausreicht und die Lokals sind hier auch alle mit Kapuze, Handschuhe und Schuhen im Wasser. Gelohnt hat es sich für Steffen allemal, denn die Wellen in Chile haben im Gegensatz zu Peru schon etwas mehr Bums und für einen Surfurlaub in der Zukunft macht es das für Steffen sehr attraktiv. Und das ist ja schon mal gut zu wissen ;-).



Hier in Tregualemu, einem weitern Surfspot schon fast bei der Stadt Concepción haben wir übernachtet. Steffen hat lange mit sich gehadert noch mal ins kalte Wasser zu springen, hat sich dann aber auf Grund seines zu dünnen Surfanzugs dagegen entschieden. Am Morgen hatten wir beim frühstücken Gesellschaft von diesen beiden Hunden. Wir haben sie Vaca und Caramello getauft und hätten sie am liebsten gleich wieder mitgenommen. Doch eine schreckliche Erfahrung mit Hund auf Reisen reicht, deswegen machen wir das lieber nicht mehr. Auch wenn es hier unzählige wunderschöne und total liebe Straßenhunden gibt, die sich wunderbar dafür eignen würden, obwohl natürlich keiner so schick und perfekt ist, wie es unser Papi Chulo war...



Danach ging es dann wieder mehr ins Innland auf die große Hauptstraße, um schnell in Richtung Süden voran zu kommen. Nächster Halt sollte Valdivia sein, die erste von deutschen Siedlern gegründete Stadt, die wir uns ansehen wollten. Doch davon berichten wir beim Nächsten Mal.

Chile otra vez


Zurück in Chile war der erste Stopp das Städtchen „Los Andes“. Hier hatten wir mal wieder unglaubliches Glück. Auf der Suche nach etwas Essbaren haben wir nachts so gegen 23:00 Uhr einige Runden durchs Zentrum gedreht. Bis wir dann schließlich vor einem Completto-Stand zum Stehen kamen, um zu besprechen ob es denn nun ein Chilenisches Hotdog zum Abendessen gibt. Was wir zur der Zeit noch nicht wussten war, dass wir geraume Zeit verfolgt wurden. Unversehens hielt ein Pickup neben uns und die Beifahrerin fragte wo wir denn her sind und ob wir uns verirrt haben, sie fahren nämlich schon eine ganze Weile hinter uns her und wir scheinen nicht zu wissen wohin und überhaupt, ist das Auto nicht aus Kolumbien?
Sie war Kolumbianerin und ihr Mann, Franzisco der Fahrer hat eine Werkstatt für die Wartung von Minenfahrzeugen und früher hat er sich auf den Umbau und das Tuning von Offroadern spezialisiert. Sein Spezialgebiet, Toyota Landcruiser... Unglaublich diesen Mann schickte der Himmel und so hatten wir nicht nur einen Ort um unsere Caracolina wieder ordentlich fit zumachen sondern auch noch jemand der sich bestens auskannte und wusste wo wir Ersatzteile bekommen konnten. So haben wir die Motoraufhängung repariert und einige kleine Undichtigkeiten im Dach beseitigt. Hier seht ihr Lena beim Abschleifen des Dachs, um es für das Verspachteln vorzubereiten.



Nachdem unser Casa rodante wieder wie neu war, ging es weiter nach Süden durch das Weingebiet südlich von Santiago, das Valle de Maipo. Es gibt dort ein berühmtes Weingut mit dem Namen Santa Rita. Santa Rita deshalb weil die Besitzerin zu Revolutionszeiten 120 Patrioten Unterschlupf gewährt hat, ihnen so das Leben gerettet hat und seitdem Santa Rita genannt wurde. Noch heute verkauft das Weingut einen Wein mit dem Namen „120“ in Gedenken an diese Episode. Der schmeckt sehr gut ist aber nicht der beste des Hauses ;-). Hier ein paar Eindrücke.







Auf dem Gelände gibt es auch eine Art Regionalmuseum mit vielen Artefakten der Mapuche, den Ureinwohnern von Chile. Im Gegensatz zu den Eingeborenen weiter nördlich haben sich diese niemals den Spaniern unterworfen. Die Spanier mussten ihre Städte hier im Süden von Chile immer wieder aufgeben und neu errichten.
Die Mapuche haben die von den Europäern importierten Dinge, wie Pferde, Viehzucht und anderes umgehend in ihre eigene Kultur integriert ohne jedoch die eigenen Werte aufzugeben. Sie konnten sie sich erfolgreich gegen die Eindringlinge behaupten, weil sie von solider Statur, gute Kämpfer und zu dem noch sehr trinkfest waren. So haben sich die Spanier sprichwörtlich die Zähne an ihnen ausgebissen und auch das Feuerwasser half kein bisschen. Hier seht ihr Lena vor vielen wunderschönen Teilen des Reitgeschirrs der Mapuche.



Mit frischer Motivation dank Santa Rita ging es dann weiter Richtung Küste, um den berühmten Surfspot Pichelemu zu besuchen, denn auch wenn es schon jetzt bitterlich kalt wurde, wollte ich ihn mir doch wenigstens mal anschauen und vielleicht so gar wagen ins eiskalte Wasser zu springen, aber davon beim nächsten Mal.

Montag, 1. Juni 2015

Córdoba und die Umgebung


Weiter führte uns unsere Reise Richtung Córdoba. Auf dem Weg machten wir noch einen kleinen Abstecher nach Embalse de la Quebrada, ein Staudamm.



Eigentlich nur, weil Ernesto uns den Tipp gegeben hatte, dass es dort einen Club de Landcruiser gibt... dort wollten wir nachfragen, wo wir am besten Ersatzteile bekommen. Wir mussten dort eine Weile auf den Verantwortlichen warten, machte aber nichts, so konnten wir die Gegend ein bisschen genießen. Sehr schön dort. Gebracht hat uns das Ganze jedoch wenig, denn wir bekamen die Antwort, Ersatzteile bekommen wir überall besser, als in Argentinien :-).







Also weiter nach Córdoba. Dort sind wir durch die Stadt gefahren und alle haben sie ihre Handys gezückt und Fotos von uns gemacht. Die Argentinier scheinen unser Auto wirklich extrem cool, oder vacan, wie man hier sagt, zu finden. Nachdem wir endlich einen Parkplatz gefunden hatten, sind wir ein bisschen durch die Stadt geschlendert. Córdoba erscheint wie eine europäische Stadt. Es ist relativ sauber, Einkaufszentren... wie bei uns eben. Im Sommer muss es hier sehr schön sein, wenn die mit Blumen behangenen Gitter ihren Schatten auf die Fußgängerzone werfen.
In Córdoba haben wir auch unsere ersten Erfahrungen mit dem Dollar Blue gemacht. Da Argentinien ja gerade in einer Wirtschaftskrise steckt, kann man offiziell den Dollar nur zu einem niedrigen Wert in Argentinische Pesos eintauschen. Da aber die argentinischen Pesos sehr an Wert verlieren, wollen die Argentinier lieber Dollar haben. Deswegen gibt es einen Schwarzmarkt für den Dollar, wo man viel mehr Pesos dafür bekommt. Genannt den Dollar Blue. Interessanterweise steht der Wechselkurs des Dollar Blue auch offiziell in den argentinischen Zeitungen, obwohl er gar nicht offiziell ist. Naja. Wir haben auf jeden Fall extra Dollar von Chile mitgebracht, um die dann teurer in Argentinien wieder zu verkaufen und so en bisschen Geld zu machen...
Also waren wir in Córdoba auf der Suche, wo man den Dollar Blue tauschen kann. War eigentlich ziemlich einfach, man braucht beim Fragen auch nicht zu flüstern... Die Leute wissen bescheid und geben bereitwillig Auskunft. In einer Einkaufspassage haben wir dann einen Herrn gefunden, der aussah wie ausm Film (schick gekleidet, längeres graues Haar,schwarze Sonnenbrille), der uns das Geld getauscht hat. Als ich es dann schnell einstecken wollte, damit die Polizei nichts sieht und so... hat er gemeint, ich solle es ruhig zählen... alles ganz gechillt. So funktioniert das also... Alles ganz offiziell inoffiziell :-).
Sehr interessant übrigens, dass unsere Zeitungen voll sind, wie tief Argentinien in der Krise steckt usw, wenn man sich hier aber so umschaut, hat man nicht den Eindruck. Es gibt alles zu kaufen, die Menschen sitzen in den Cafes und schlürfen ihren Cafe oder Wein, die Restaurants sind voll... Wir haben auch die Argentinier befragt, die bestätigt haben, die Krise existiere auf dem Papier, aber in Wirklichkeit gehe es ihnen gut. Zudem hat die Präsidentin einiges in Richtung Sozialstaat verändert, worauf die Argentinier sehr stolz sind. So bekommt nun jeder eine Mindestrente, auch wer niemals in Argentinien gearbeitet hat. Außerdem hat jeder, der arbeitet, eine Krankenversicherung. Und Arbeitslose bekommen Arbeitslosengeld. Trotzdem aber ist der soziale Unterschied zwischen Reich und Arm sehr groß und die meisten Argentinier kommen gerade so aus.

Ein halbes Stündchen von Córdoba entfernt, befindet sich das Städtchen Alta Gracia. Dort ist Ché Guevara aufgewachsen und es gibt ein Museum über ihn. Deswegen sind wir dort hingefahren, doch leider war das Museum geschlossen. Alta Gracia ist aber auch so ein recht hübsches Städtchen und wir hatten eine angenehme Nacht dort.



Dann gings weiter Richtung Mendoza, das nächste Weinanbaugebiet. Auf dem Weg kamen wir in Villa General de Belgrano vorbei. Ein ganz und gar „deutsches“ Dörfchen, mit allem was dazu gehört. Biergärten, Bierkrüge, viel Bier und unzählige Restaurants und Souveniershops. Sehr touristisch und wir sind eigentlich nur durchgefahren...





Auch kamen wir auf dem Weg in Sampacho vorbei, eine Agrikultur Hochburg, wo alte Traktoren am Straßenrand ausgestellt waren.



Die Weiterfahrt führte uns durch eine Gegend, die Steffen sehr an zu Hause erinnerte. Alles platt wie eine Flunder und ziemlich windig. Dort haben wir auch übernachtet...



Steffen schmeckt der Mate, den hier in Argentinien jeder trinkt, auch sehr gut. Und im vergleich zu Kaffee, bringt er einen auf Zack, aber ohne dass man zitterig wird. Er regt nämlich nur das Gehirn an, nicht aber das Herz-Kreislauf-System. Genau das richtige für Steffen ;-).



Dann in der Nähe von Mendoza, in dem Dörfchen Maipú, als wir gerade die Karte studierten, wurden wir von dieser netten Familie dazu eingeladen, in ihrem Garten zu parken und dort zu übernachten. Wir wollten dort eigentlich noch ein Weingut besuchen jedoch war Sonntag und als wir erst Nachmittags loskamen, weil wir versehentlich unsere Müttern zu früh zum Muttertag angerufen hatten, hatten alle schon zu.



Aber schön ist es hier. Die Strassen von Bäumen gesäumt und links und rechts die Weinfelder.



Dann gings eben doch weiter direkt zur Grenze. Da kamen wir an den Baños del Inka vorbei. Das sind heiße Quellen, aber nicht von den Inkas, die heißen bloß so. Das Wasser dort ist so schwefelhaltig, dass es sich der Schwefel über die Jahre abgelagert hat.



Außerdem kamen wir am höchsten Berg Südamerikas vorbei, dem Cerro Aconcagua. Er ist mit 6962 Metern Höhe nicht nur der höchste Berg Südamerikas, sondern auch der höchste Berg außerhalb Asiens.



Auch gibt es hier in Argentinien, wie auch in Chile das Phänomen, dass an den Straßenrändern Opfergaben, die in Plastikflaschen verpackt werden, dargereicht werden. Nicht unbedingt immer einem Schutzheiligen, der dort sein kleines Häuschen hat, sondern oft auch an Stellen, wo einst Familienangehörige verstorben sind, und wo ein Denkmal steht. Diese Opfergaben führen zu diversen Wundern und so häufen sich die Plastikflaschen...



Dann an der Grenze standen wir mehrere Stunden im Stau. Denn es war Sonntag und offensichtlich fahren sehr viel Chilenen von Santiago übers Wochenende nach Argentinien in Urlaub. Es war die Hölle los... An der Grenze dann lief alle glatt, uns wurden zwar die Trauben, die wir noch in Maipú geschenkt bekommen hatten und mehrer andere Lebensmittel, wie unser Mais und unser Knoblauch abgenommen, aber das wars. Lächerlicherweise wurde uns auch unser Pfeffer abgenommen. Auf meine Bemerkung dem Zollbeamten gegenüber, dass das nun wirklich lächerlich sei, hat er etwas tölpelhaft geschaut, hat ihn dann aber trotzdem einkassiert.



Aber unseren Bambus auf dem Dach haben sie uns gelassen, nachdem wir behauptet haben, den hätten wir aus Chile. Dabei hatten die Zollbeamten in unsere Pässe geschaut und gesehen, dass wir nur im Norden von Chile unterwegs waren. Jeder weiß, dass dort nur Wüste ist und gewiss kein Bambus wächst... Aber gut, denken ist eben nicht jedermanns Sache ;-).

Donnerstag, 28. Mai 2015

Tafi de Valle


Auf der Fahrt nach Cafayate hatte die Kupplung auf einmal keinen Druck mehr. Also man konnte nicht mehr auskuppeln und somit auch die Gänge nicht einlegen. Das Problem hatten wir schon einmal in Ecuador. Damals war nur so ein kleines Teil kaputt. Kein großes Ding, aber wir brauchten einen Ort, wo wir dieses Ding kaufen können und ne Werkstatt um Werkzeug ausleihen zu können.
Also haben wir an einer archäologischen Stätte (die, nach dem was wir in Peru und Bolivien gesehen haben, nicht weiter erwähnenswert ist ;-) ) zunächst mal den Portier dort gefragt, ob er was weiß. Der meinte, dass es heute jedoch sehr schwierig sei, weil es zu unserem Glück mal wieder Sonntag war :-).
Dann kam ein neuerer Landcruiser aus der Archäologischen Stätte uns entgegengefahren. Der Fahrer hat Zeichen gemacht, ob er uns fotografieren darf, da hat Steffen ihn gleich mal heran gewunken und gefragt, ob er nicht vielleicht einen Mechaniker weiß, der heute arbeitet und vielleicht sogar das ein oder andere Ersatzteil für Landcruiser hat. Ernesto, der Fahrer, hat uns gleich zu sich nach Hause eingeladen. Er habe Werkzeug und kenne einen Mechaniker, ob der jedoch heute da ist, das wusste er auch nicht. Also sind wir erstmal nach Tafi de Valle zu Ernestos Ferienhaus gefahren.



Dort war er mit seiner Frau Raquel und Tochter Elisa selbst gerade zum Urlaub. Auch die Eltern von Raquel, aus Galicien in Spanien, waren zu Besuch da. Der Weg nach Tafi de Valle führte abermals über einen hohen Pass, und das alle ohne Kupplung :-). Schalten wie in alten Zeiten, immer schön mit Zwischengas. Die Berghänge waren voll mit Kandelaberkakteen:



Steffen konnte mit dem Werkzeug von Ernesto das Problem beheben, doch wir sind trotzdem noch einen Tag länger geblieben, denn wir haben uns mit der ganzen Familie so super verstanden und hatten so viele Gemeinsamkeiten, wie es das wohl nur selten gibt. Am nächsten Tag kam dann auch noch der Bruder von Ernesto mit Familie zu Besuch. Und so war die ganze Familie komplett mit uns Zweien mitten drin. So entstanden ein paar Familienfotos:
Hier waren wir alle versammelt:





Und hier die stolze Oma mit den zwei Kids:



Am nächsten Tag waren wir dann in einer nahen Käserei und haben uns mal erklären lassen, wie die da ihren Käse machen. Die Führung ging ziemlich schnell und die Argentinier machen ihren Käse auch nicht anders, als wir ;-), aber das uralte Gehöft war sehr schön. Außerdem scheinen die Kühe hier sehr glücklich zu sein :-):





Abends gab es ein wunderbares Assado, wie auch bei den Chilenen wurde der ganze Brocken Fleisch, so wie er war, auf den Grill gehauen. Oberlecker! Dazu Käse, Salami, Brot und auch Gemüse vom Grill.
Zudem war die Familie mit den Eltern von Raquel zuvor in Cafayate gewesen, wie auch wir. Die Eltern haben dort auch Wein eingekauft und so kamen wir doch noch in den Genuss einen der berühmten Weine von Cafayate probieren zu können. Anders, sehr fruchtig, aber doch auch sehr gut!

Am nächsten morgen haben wir uns dann sehr schweren Herzens verabschiedet. Wir hoffen jedoch Raquel, Ernesto und die kleine Elisa bald in Deutschland wieder zu treffen und auch die Eltern in Galicien möchte ich mal besuchen, um die Meeresfrüchte dort zu probieren, denn auch diese sollen die Besten der Welt sein :-).
Hier noch mal die zwei Landcruiser, der von Ernesto (aus Nicaragua) und unsere Caracolina (aus Columbien). Wegen den Autos haben wir uns ja überhaupt erst kennengelernt :-).



Auf der Weiterfahrt mussten ich mich dann erstmal von den letzten Anstrengungen erholen und mein Chauffeur Steffen mussten den Weg alleine finden.